Reine Verzweiflung? Microsoft zahlt US-App-Entwicklern 100 Dollar pro Anwendung

Microsoft ist auf mobilen Geräten deutlich unterrepräsentiert. Zum einen hat der Konzern vergleichsweise spät entschieden, sich auf das Parkett des mobilen Marktes zu begeben. Zum anderen gibt es aber auch wenige Applikationen für Windows 8 und Windows Phone, die Nutzer dazu bewegen könnten, das System zu wechseln. Damit sich das ändert, will das Gates-Imperium nun Entwickler mit Prämien locken.

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Windows 8 – Noch sieht der App-Screen leer aus.

Im Rahmen der Aktion „Keep the Cash“ erhalten US-Entwickler 100 Dollar für neue Apps, die sie bis 30. Juni einreichen. Insgesamt wurde für die Aktion eine Million Dollar freigesetzt. Teilnehmer dürfen maximal zehn Einträge pro Plattform (Windows 8 und Windows Phone) einreichen und können insgesamt bis zu 2.000 Dollar verdienen, wenn sie die Qualitätskriterien einhalten und ihre Entwicklung es unter die ersten 10.000 bestätigten Apps schaffen. Microsoft fährt damit die gleiche Schiene wie zuletzt auch schon Research in Motion (RIM). Der kanadische Hardware-Hersteller hat im Januar ebenfalls mit einer 100-US-Dollar-Prämie Entwickler aufgerufen, Applikationen für die damals kurz vor dem Release stehende Blackberry-10-Plattform einzureichen. In knapp 37,5 Stunden kamen so bereits 15.000 Apps zusammen, twitterte damals der RIM-Manager Alec Saunders.

well there you have it.37.5 hours in, we hit 15,000 apps for this portathon.Feel like I’ve run a marathon.Thanks to all the devs!

— Alec Saunders (@asaunders) 13. Januar 2013

Doch ist das nun ein Erfolg oder eher ein Armutszeugnis? Die Meinungen darüber gehen auseinander. Zum einen ist klar, dass weder Microsoft noch Blackberry Möglichkeiten ungenutzt lassen dürfen, sich weitere Anteile am Tablet- und Smartphone-Markt zu sichern. Die beiden einstigen Marktführer ihrer Sparten haben nämlich stark zu kämpfen, wenn es darum geht, sich auf diesem zukunftsträchtigen Segment zu behaupten. Allenfalls rivalisieren beide Protagonisten nur noch um Platz drei – abgehängt von Apple und Google. Auf der anderen Seite runzeln nicht zuletzt altgediente Microsoft-Veteranen die Stirn und befürchten, sich mit solchen Aktionen der Lächerlichkeit preiszugeben und bezweifeln zudem die Qualität der Applikationen.

Kritik aus den eigenen Reihen

So hat zum Beispiel der ehemalige Windows-Phone-Manager Charlie Kindel bereits im September 2012 in einem Blogbeitrag davor gewarnt, Entwickler für Apps zu bezahlen. Kindel sprach von „einer schlechten Idee“ und sieht solche Vorstöße als „ein Zeichen der Verzweiflung“. Er glaubt zudem, dass man dadurch eine Plattform nur kurzfristig künstlich am Leben halten könne, langfristig mit solchen Aktionen aber nichts erreichen würde. Einen Unterstützer seiner Sichtweise findet Kindel auch bei dem inzwischen ehemaligen Windows-Spartenchef Steven Sinofsky. Dieser soll auch ein strikter Gegner solcher Aktionen gewesen sein, wie man im Blogpost weiterliest.

Doch riskiert Microsoft einen möglichen Image-Schaden und eine fehlende Qualität der Apps tatsächlich einzig und alleine, um ein paar Zahlen zu schönen, wie es viele weitere Kritiker behaupten? Fakt ist: Mit gerade einmal 150.000 Einträgen sieht die Bilanz an Applikationen beispielsweise gegenüber der des Apple-App-Stores oder des Google-Play-Stores geradezu mickrig aus. Beide Plattformen warten mit ungefähr 800.000 Applikationen auf. Gegen diese These spricht allerdings, dass das IT-Unternehmen aus Redmond mit einigen Einschränkungen einen haltlosen Ansturm auf die Aktion verhindern möchte. Es dürfen beispielsweise keine Applikationen eingereicht werden, die als Kopien anderer Anwendungen gelten könnten. Außerdem darf die Software nicht einfach auf andere Webseiten verweisen und die jeweiligen US-Entwickler müssen zudem das 18. Lebensjahr vollendet haben, um an „Keep the Cash“ teilnehmen zu können.

Ob die Aktion nun Früchte tragen wird oder nicht, wird man endgültig erst anhand der folgenden Quartalsberichte erkennen können. Bis dahin wird Microsoft weiter um Luft ringen im Kampf um jeden potentiellen mobilen Nutzer.

Titelbild: (Foto: Carlos Varela  / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

via t3n News http://t3n.de/news/reine-verzweiflung-microsoft-452142/?utm_source=feedburner+t3n+News+12.000er&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+aktuell%2Ffeeds%2Frss+%28t3n+News%29

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